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Zuhause sterben

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Seit fünf Jahren haben sterbenskranke Menschen, die nicht mehr geheilt werden können, einen gesetzlichen Anspruch, zuhause sterben zu können. Ganz unbürokratisch soll ein Team qualifizierter Ärzte und Pfleger den Sterbenden rund um die Uhr in dessen eigenen vier Wänden betreuen, ihn pflegen und seine Schmerzen lindern – so das Gesetz.
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Nach wie vor sterben aber vier von fünf Menschen in Krankenhäusern oder Hospizen – und nicht zuhause. Woran scheitert die Umsetzung des Gesetzes? Wer ist in der Pflicht?
„Zuhause!“- wollen die meisten Menschen sterben. In Würde. Ohne Schmerzen. Gut versorgt und nicht allein. Seit fünf Jahren haben sterbenskranke Menschen, die nicht mehr geheilt werden können, auch einen gesetzlichen Anspruch, so zuhause sterben zu können. Das Recht auf eine „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (SAPV). Ganz unbürokratisch soll ein Team qualifizierter Ärzte und Pfleger den Sterbenden rund um die Uhr in dessen eigenen vier Wänden betreuen, ihn pflegen und seine Schmerzen lindern – so das Gesetz. In Zeiten der Hochleistungsmedizin sollte der Tod wieder menschlicher und das Sterben zurück in die Familien geholt werden.
Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes sterben aber nach wie vor vier von fünf Menschen in Krankenhäusern oder Hospizen – und nicht zuhause. So wie die schwer krebskranke Mutter von Mark Castens in Bremen. In ihren letzten Lebenswochen wurde sie immer wieder vom Krankenhaus nach Hause und wieder zurück verlegt. Es gab keine ausreichende ambulante Palliativversorgung zuhause, es fehlte an Ärzten und Pflegern. „Es kann nicht sein, dass im Grundgesetz steht, die Würde des Menschen sei das höchste Gut. Aber Menschen, die sterben, kriegen nicht mal ihr gesetzliches Recht durch, zuhause sterben zu dürfen!“, entrüstet sich der verzweifelte Sohn.

Woran scheitert die Umsetzung des Gesetzes? Wer ist in der Pflicht? Der Gesetzgeber, die Ärzte, die Pfleger, die Krankenhäuser, die Krankenkassen?
Wir suchen Antworten auf die Frage, warum es in Deutschland so schwer ist, zuhause sterben zu können.

Buch und Regie: Renate Werner
Kamera: Roland Körffer, Bernd Roßocha
Schnitt: Kirsten Becker
Musik: Jan Kazda
Transkriptionen: Susanne Jurgies, Jenny Krenz

Redaktion: Angelika Wagner und Andrea Ernst, WDR
Das Erste, 16. November 2012, 22:45 bis 23:30 Uhr

Für die Reportage erhielt Renate Werner den Film- und Fernsehpreis des Hartmannbundes 2013
hartmannbund.de/de/news/preise-ehrungen/film–und-fernsehpreis/

 

Schaltet mich ab! – Patientenverfügung im Ärztealltag

Seit 2009 ist der niedergeschriebene Wille in der Patientenverfügung rechtsgültig. Ärzte müssen dem Patientenwillen folgen, sonst können sie sich der Körperverletzung schuldig machen. Doch was im Gesetzestext einfach klingt, wird im Krankenhausalltag oft zu einem Dilemma.
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Etwa die Hälfte der Patientenverfügungen sind falsch formuliert und ungültig, dann liegt es allein an den Ärzten zu entscheiden, ob ein Leben verlängert wird oder nicht. Garantiert das Gesetz nun den Patientenwillen? Oder bringt es neue Konflikte in die Krankenzimmer.Rosemarie Löw ist unheilbar lungenkrank und fällt mit akuter Atemnot ins Koma. Lebensgefahr! Vom Notarzt gerettet wird sie in einem Krankenhaus sofort an eine Beatmungsmaschine gehängt. Gegen ihren Willen, wie sich später auf der Intensivstation im St. Marienhospital herausstellt. Denn, in ihrer Patientenverfügung hatte Rosemarie Löw eindeutig festgehalten, dass sie nicht an eine lebensverlängernde Maschine angeschlossen werden möchte. Aber die Verfügung wurde in der großen Hektik zu spät gefunden. Jetzt bettelt Rosemarie Löw tagtäglich darum, dass die Ärzte ihren Willen erfüllen: „Schaltet mich ab!“

Die Ärzte ringen um die richtige Entscheidung: menschlich, juristisch und moralisch. Eine ethische Gradwanderung. Können sie Rosemarie Löws letzten Willen jetzt noch erfüllen und die Maschine tatsächlich abstellen? Am Ende soll ein im Krankenhaus einberufenes ethisches Konsil weiterhelfen.

Seit 2009 ist der nieder geschriebene letzte Wille in der Patientenverfügung rechtsgültig. Auch wenn Ärzte anders entscheiden wollen, sie müssen dem Patientenwillen folgen, sonst machen sie sich der Körperverletzung schuldig.

Unsere Autorin Renate Werner begleitet einen Monat lang die Ärzte im St. Marienhospital in Köln: was im neuen Gesetzestext einfach klingt, wird im Krankenhausalltag zu einem Dilemma.

„Dazu kommt, dass etwa die Hälfte der Patientenverfügungen ungültig sind“, erzählt Geriatriearzt Johannes-Josef Raczinski. „Dann liegt es allein an uns Ärzten zu entscheiden, ob ein Leben verlängert wird oder nicht.“ Garantiert das neue Gesetz nun den Patientenwillen? Oder bringt es neue Konflikte in die Krankenzimmer?

Buch und Regie: Renate Werner
Kamera: Eva Radünzel

Schnitt: Kirsten Becker
Transkriptionen: Julia Daschner

Redaktion: Angelika Wagner, WDR
Das Erste, Sonntag, 31. Januar 2010, 17.30 – 18.00 Uhr

Für die Reportage erhielt Renate Werner den Film- und Fernsehpreis des Hartmannbundes 2010
hartmannbund.de/de/news/preise-ehrungen/film–und-fernsehpreis/

 

RADIOFEATURE: Gibt es genug Hospizplätze?

Vielerorts fehlt die Struktur für eine Versorgung zuhause und in manchen Regionen klagen die Menschen darüber, dass es zu wenig Hospizplätze gibt und die Wartelisten zu lang sind.
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Der Tod ist ein Problem der Lebenden” hat der Soziologe Norbert Elias einmal gesagt. 830.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland, die meisten wollen zuhause sterben. Doch vielerorts fehlt die Struktur für eine Versorgung zuhause und in manchen Regionen klagen die Menschen darüber, dass es zu wenig Hospizplätze gibt und die Wartelisten zu lang sind. Ein Hospizarzt sagt, dass wir zukünftig mehr der guten Plätze zum Sterben brauchen werden: “Für ein Hospiz spricht, dass die letzte Phase des Lebens heute so allein ist. In unserer Gesellschaft werden die Menschen immer älter und die Familien sind immer weiter verstreut. Die meisten sind sehr angewiesen auf die Hilfe von anderen Menschen”.